Hasan Özkan

Arbeiter

verheiratet
3 Kinder
Jahrgang 1955

Interview:

Grünes Kufstein: Du lebst jetzt seit fast 40 Jahren mit Deiner Familie in Kufstein. Wie war das als du 1977 hier angekommen bist?
Hasan Özkan: Ja, am Anfang war es ganz schwierig. Vor allem mit der Sprache. Meine Schwester war schon vor mir hier, deshalb bin ich nach Kufstein gekommen. Sehr schwer war es dann auch eine Arbeit und eine Wohnung zu finden. Aber inzwischen ist Kufstein meine Heimat und ich fühle mich sehr wohl hier. Mir war immer wichtig, guten Kontakt zu meinen Nachbarn, Arbeitskollegen und bei allen Begegnungen im Alltag zu haben. Ich denke, das ist mir und meiner Frau sehr gut gelungen.
GK: Du hast mit Deiner Frau drei erwachsene Söhne. War es für deine Söhne schon leichter als für Dich, sich in Kufstein zurecht zu finden?
HÖ: Ja, für sie war es um vieles leichter. Sie sind ja auch hier geboren. Ganz wichtig war mir immer die Ausbildung meiner Kinder und dass sie über gute Sprachkenntnisse verfügen. Ich habe ihnen auch immer vorgelebt, dass es ganz wichtig ist, anderen Menschen und Kulturen gegenüber tolerant zu sein. Inzwischen haben alle drei Karriere gemacht. Ich denke, sie fühlen sich als Österreicher und Europäer.
GK: Du warst immer politisch interessiert und in den vergangenen Jahrzehnten immer sozial engagiert. Was waren dabei für dich die wichtigsten Anliegen?
HÖ: Ganz wichtig war mir immer, gegen Ausländerfeindlichkeit aufzutreten und andere zu motivieren, sich auch politisch zu engagieren. Als Beispiel möchte ich die Initiative „gegenstand“ nennen. Ursprünglich (in den 90iger Jahren) wollten wir einen Ausländerbeirat in Kufstein installieren. Jetzt gibt es immerhin eine Integrationsbeauftragte der Stadt. Das ist schon ein Erfolg. Selbstverständlich war für mich immer die Hilfe für Neuzugewanderte. Das betraf z.B. die Begleitung bei Behördengängen oder die Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche. Solidarität ist einer meiner wichtigsten Grundsätze. Politisch und Privat.

GK: Bei den letzten Gemeinderatswahlen bist du ja noch mit einer eigenen Liste angetreten. Jetzt kandidierst du für das OGF. Warum?
HÖ: Ich denke, es ist besser, wenn alle gemeinsam – unabhängig von ihrer Herkunft – sich für gute Dinge einsetzen. Bei den Grünen in Kufstein gefällt mir ihr Engagement für Minderheiten und soziale Gerechtigkeit.
GK: Was sind deine konkreten Anliegen für die Gemeinderatswahl?
HÖ: Ich denke, was in Kufstein fehlt, ist die Möglichkeit für junge Kufsteiner/Innen, hier auch größere Hochzeiten kostengünstig zu veranstalten. Schön wäre hier die Möglichkeit die neugebauten Veranstaltungssäle auch dafür nützen zu dürfen. Auch öffentliche Grillplätze fände ich sehr gut. Außerdem denke ich, sollten alle Behörden und auch das Krankenhaus gut geschulte Mitarbeiter/Innen haben, die Menschen mit Migrationshintergrund unterstützend begleiten.
GK: Danke für deine Ausführungen. Jetzt noch eine sehr persönliche Frage: Vielen Menschen aus der Türkei fällt es nicht so leicht, Kufstein als Heimat anzusehen. Wie ist das für Dich?
HÖ: Ich lebe jetzt den Großteil meines Lebens hier. Meine Familie und meine Freunde leben auch hier. Inzwischen bin ich hier fest verwurzelt. Ich bin Kufsteiner